
DAZ-Interview mit Dr. Sebastian Fink vom 27. 11. 2010
Die positiven Seiten der Krankheit - Sigrid Bauer hat aus ihrem Tagebuch einen Roman gemacht
Wallbach.
Im März dieses Jahres trifft die Diagnose Sigrid Bauer wie ein
Schlag: Krebs, zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren. Wieder
Bestrahlung, wieder Chemotherapie, wieder Schmerzen. Doch sie gibt
sich nicht auf, findet Kraft im Schreiben eines Tagebuchs, von dem
sie ihrer Nachbarin und guten Freundin Elke Börner erzählt. Die
Autorin bestärkt Bauer im Weiterschreiben. In wenigen Wochen
erscheint das fertige Buch in ihrem Verlag - ungeschönt, authentisch
und ohne geänderte Namen. Für Sigrid Bauer ein Sieg, obwohl der
Kampf gegen die Krankheit noch nicht beendet ist. Sigrid Bauer sieht
gut aus - lebensfroh, kräftige Stimme, sie lächelt oft. Der
63-jährigen Pensionärin ist auf den ersten Blick nicht anzumerken,
was sie druchgemacht hat und immer noch durchmacht. "Man muss
positiv denken. Es gibt immer einen nächsten Tag und man kommt mit
Hilfe von Familie und Freunden auch aus Stimmungstiefs wieder
hinaus", sagt sie. Nur wenn sie von ihrer Krankheit spricht, die
Erinnerungen über ihr Gesicht huschen, sind Ängste und Sorgen kurz
zu sehen. Doch Sigrid Bauer geht offensiv mit ihrer Krankheit um -
und findet einen eigenen Weg der Bewältigung. "Im März habe ich mit
dem Tagebuch angefangen. Ich habe nicht jeden Tag hineingeschrieben,
nur wenn es mir gut genug ging. Aber dann konnte ich alles
aufschreiben, was ich erlebt hatte, was mich belastete, aber auch
was mich freute." Freude hatte sie vor allem an ihrer großen
Familie. Zwei Kinder hat sie mit Ehemann Karl-Heinz, der sie von
Beginn an im Schreiben bestärkte. "Das hilft ihr die Krankheit
psychisch zu bewältigen. Sie schreibt sich den Frust von der Seele",
sagt er. Fünf Enkel zwischen fünf und 20 Jahren hat sie noch dazu.
Sie geben Halt und lenken vom eigenen Schicksal ab. "Eine ihrer
Enkelinnen ist selbst gesundheitlich eingeschränkt. Da ist sie mit
dem Mädchen nach Berlin in die Klinik gefahren, um ihr dort zu
helfen. Wer macht das schon in so einer Situation?", erzählt Elke
Börner fast schon enthusiastisch über den Lebenswillen ihrer
Freundin. Börner ist es auch, die sich als treibende Kraft hinter
dem Buch, das unter dem Titel "Ja, stark bin ich doch" Mitte
Dezember erscheinen soll. "Ich sagte zu ihr: ,Mach weiter, du hilfst
dir und anderen, die in der gleichen Lage sind'", erzählt Börner.
Sigrid Bauer folgt diesem Rat und schreibt nicht nur über die
Krankheit, sondern auch Erinnerungen aus ihrer Kindheit. Als
ältestes Kind von zehn Geschwistern hat sie Einiges zu berichten.
"Ich habe ja keine Ahnung vom Bücher schreiben", sagt sie wieder
lächelnd. "Aber es sollten auch lustige Episoden vorkommen. Und
solche Erinnerungen haben mich oft beschäftigt." Die Familie ist
schockiert von der Diagnose, aber unterstützt sie wo sie kann. Ein
Bruder schreibt ein Lied und nimmt es für sie auf CD auf, ein
anderer kommt nur schwer mit dem Schicksal seiner Schwester klar und
muss selbst oft getröstet werden. "Jeder geht anders damit um, aber
es ist wichtig sich mit Leuten zu umgeben, die einem Mut machen",
sagt Bauer. "Und aktiv soll man sein, das Leben lebenswert genießen,
denn man weiß nicht, wieviel Zeit dafür bleibt." Hobbys hat die
frühere Verwaltungsangestellte einige. Sie dekoriert und gestaltet -
meist für Freunde, macht Pläne zur Umgestaltung von Garten und
Balkon, unternimmt Reisen mit ihrem Mann. Besuch kommt häufiger von
den Enkeln. Sie kümmern sich gut und viel um ihre Oma. "Die Bindung
zu ihnen und zur ganzen Familie ist viel enger geworden", sagt Bauer
und ihr Mann fügt hinzu: "Es klingt makaber, aber in dieser Hinsicht
hat die Krankheit auch positive Seiten." In die Schreibpläne hat
Bauer nur Kinder und Enkel eingeweiht. Sie stimmen zu, ihre echten
Namen in dem Buch wiederzufinden. Für die restliche Familie wird die
Veröffentlichung eine Überraschung. "Das Buch ist so authentisch,
dass es fast schon grenzwertig ist", sagt Karl-Heinz Bauer. Doch das
soll das Besondere sein. "Man soll es lesen, als wenn einem ein
guter Freund von seiner Geschichte erzählt", sagt Börner.
Buchtipp: "Ja, stark bin ich doch", VLC-Verlag, 170 Seiten, Preis: 11,95 Euro. Erhältlich ab Mitte Dezember.
Anmerkung: Sigrid Bauer verstarb im vergangenen Jahr. Für die Zusammenarbeit mit ihr und ihrer Familie sind wir sehr dankbar. Ihre guten Gedanken, welche sie im Tagebuchstil für die Leser aufschrieb, ihre Kraft und ihre Bewältigungsstrategien leben in ihren Büchern weiter.
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DAZ-Interview mit Dr. Sebastian Fink vom 14. 09. 2010
"Man braucht das Leben zum Schreiben" - Die Autorin Elke Börner spricht über ihren ersten Roman und warum sie gern einmal Bettlerin wäre
Wallbach.
Elke Börner lebt ruhig im beschaulichen Wallbach bei Hartha. Dort
kann sie schreiben. Das tat sie bisher nur für ihre Sachbücher über
besondere Menschen in besonderen Häusern. Mit ihrem ersten Roman,
den sie kommende Woche in Hartha bei einer Lesung vorstellt, hat sie
Neuland betreten. Im DAZ-Interview spricht sie über literarische
Leidenschaft, ihre Ziele mit ihrem Verlag und Manuskripte in der
Schublade. Frage: Schön ruhig haben Sie es hier. Brauchen Sie das
zum Schreiben? Elke Börner: Zum Schreiben ja, aber man braucht auch
das Leben und das tobt in Wallbach nicht gerade. Darum bin ich viel
unterwegs in ganz Mitteldeutschland, um mir Inspiration zu holen.
Wie funktioniert das? Ich gehe zum Beispiel in eine Bar und rede mit
Leuten dort. Oder ich frage an der Tankstelle nach tollen Häusern im
Ort. Die Menschen, die die kunstvollsten haben, sind meist auch die
interessantesten. In den Büchern geht es auch mehr um sie, als um
ihre Einrichtung. Aber durch die Fotos erhalten die Leser trotzdem
Ideen - oder nutzen das Buch als Reiseführer zu den Häusern selbst.
Kam die Inspiration zu Ihrem ersten Roman "Die Steinsammlerin" auch
auf Reisen? Nein, das ist ein Buch, das aus meiner persönlichen
Geschichte entstanden ist. Und es ist auch Ausdruck der tiefen
Kluft, die ich nach wie vor zwischen Ost und West sehe. Das ist sehr
bedauerlich. Worum geht es in der Geschichte? Der junge Mann, um den
sie sich dreht, lebt in München, hatte kaum Kontakt zu seiner
Familie mütterlicherseits im Osten und war noch nie da. Plötzlich
erfährt er, dass er ein Haus in dem Dorf, in dem Mutter und
Großmutter lebten, geerbt hat. Aus Neugier kommt er dort hin, will
sich eigentlich nur das Haus ansehen und wieder verschwinden. Doch
es kommt anders? Genau, er lernt die verschiedensten Leute im Dorf
kennen, verliebt sich und will auf einmal gar nicht mehr weg. Dann
verliert er seinen Job und fängt im Dorf als Aushilfe in einer
Nervenklinik an. Dort lernt er, wie viele Menschen, die er kennt,
sich dort behandeln lassen müssen, weil ihnen die Liebe fehlt. Was
hat es mit dem Titel auf sich? Die Großmutter der Hauptfigur hatte
eine Kiste voller besonderer Steine, die Wünsche in Erfüllung gehen
lassen sollen, die er im Kamin findet. Die wollte die Großmutter den
Dorfbewohnern schenken. Diese Arbeit setzt der Junge nun fort. Aber
ich will nicht zu viel verraten. Das Ende bleibt ohnehin offen. Sie
haben bisher mit Erfolg Bücher über Menschen in besonderen Häusern
veröffentlicht. Wie kam die Idee, einen Roman zu schreiben? Es
stimmt, die Sachbücher bringen mehr ein, aber ich habe den Roman
nicht geschrieben, um Geld zu verdienen. So etwas kann man nur aus
Leidenschaft schreiben. Ich habe mir einen persönlichen Schmerz
herausgeschrieben und das merken die Leute. Gerade meine Generation
kann viel damit anfangen. Widmen Sie sich in Zukunft nur noch der
Belletristik? Das plane ich nicht im
Voraus. Im Oktober kommt erstmal der dritte Band der Häuser-Serie
mit dem Titel "Refugien im Osten". Die Auflagen der ersten beiden
Bücher sind schon vergriffen. Die werden auch noch einmal
veröffentlicht. Dadurch kann ich es mir erlauben, auch Romane zu
schreiben. Haben Sie schon etwas in der Schublade? Derzeit betreue
ich das Buch einer Nachbarin, das im Tagebuchstil gehalten ist und
sehr viel Persönliches preisgibt. Eine bewegende Geschichte, die wir
wohl im Dezember veröffentlichen werden. Ein neuer Roman, der
"Johannas Laden" heißen soll, ist schon geschrieben und einen Band
mit skurrilen Reisegeschichten, die ich erlebt habe, könnte ich auch
füllen. Das wird sich im nächsten Jahr zeigen. Welche Ziele
verfolgen Sie noch? Sie sind ja nicht nur Autorin, sondern auch
Verlegerin. Vorrangig möchte ich meine eigenen Sachen schreiben.
Bücher von anderen betreue ich nur, wenn die Autoren mich
interessieren. Ich könnte mir auch Hörbücher meiner Romane
vorstellen. Und eines möchte ich gern mal tun: Mich in einer fremden
Großstadt als Bettlerin verkleidet an den Straßenrand setzen und
sehen, was mir so passiert. Daraus ließe sich sicher ein tolles Buch
schreiben.
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DAZ-Interview mit Thomas Haegeler vom 05.06.2010
Steiniger Weg zwischen den Welten - Die Wallbacher Autorin Elke Börner veröffentlicht ihren ersten Roman, der sich um das Leben auf dem Land dreht
Wallbach.
Fragt man Elke Börner nach der Quelle ihrer Inspiration, antwortet
sie ohne zu zögern: „Land und Leute“. Das glaubt man sofort
angesichts ihrer in den vergangenen drei Jahren erschienenen Bücher
„Wege zum kreativen Ich: Frauen in Sachsen. Porträts, Projekte,
Kunstwerke“, „Hausgeschichten, Lebens(t)räume, Lebensart in Sachsen,
Thüringen und Brandenburg“ sowie „Häuser in den Jahreszeiten“. Doch
das vierte Buch der 49-Jährigen ist anders. Obwohl sich die
Inspiration dafür aus derselben Quelle speist vielleicht sogar noch
mehr als bei den Hausbüchern, in denen es um historische Gebäude und
deren Besitzer geht. Denn „Die Steinsammlerin“ ist ein Roman. Einer,
der sich auf 195 Seiten um das Leben auf dem Land dreht. Wer nun
aber triviale Lektüre im Stile von Groschenromanen erwartet, wird
enttäuscht. Vielmehr erzählt Börner mal mit zum Schmunzeln
animierender Ironie, mal mit fassungslos machender Klarheit die
Geschichte des Mittzwanzigers Felix Baumgart, in dessen Leben
scheinbar alles seinen Gang geht: Studium, Freunde und im Anschluss
eine feste Stelle in einer Münchner Werbeagentur. Bis zu dem Tag,
als er das Haus seiner ihm unbekannten Großmutter erbt. Er macht
sich auf den Weg in den ländlichen Osten, ins „Dunkelland“, wie sein
Chef sagt. Nach einem seltsamen Traum findet der junge Mann eine
Kiste voller Steine im Kamin. Es sind Steine, die die alte Frau
stets bei sich trug und die Wünsche erfüllen sollen. Nicht zuletzt
deswegen galt sie vielen als schrullig. All das beschreibt die
Autorin präzise, ohne aber Sätze mit Details zu überfrachten oder
sich darin zu verlieren. Die Neugier des Protagonisten ist geweckt
und so begibt er sich auf die Suche nach seinen Wurzeln. Dabei lernt
er allerhand schrullige, zum Teil auch einfältige Leute kennen.
Manche davon sogar lieben. Felix Baumgart vertieft sich so sehr in
das Parallelluniversum, dass er den Job in München verliert und in
einer Nervenklinik anheuert als unterbezahlter Zivi-Ersatz. Nicht
zuletzt dadurch wird sein Weg zwischen den Welten steinig. Es ist
ein Drahtseilakt zwischen Großstadtprägung und dörflicher
Mentalität, zwischen Ost und West, aber auch zwischen gesund und
krank. „Die Grenzen verschwimmen. Aber es geht auch um menschliche
Werte und Beziehungen“, erklärt Börner, die auf eigene Erfahrungen
aus Praktika in psychatrischen Anstalten zurückgreifen konnte. Das
macht das Ganze authentisch. Autobiografisch aber sei der Roman
nicht. „Auch wenn private Erlebnisse eingeflossen sind.“ Seit Jahren
schon beschäftigen die Wallbacherin Themen wie die Suche nach Glück,
das Ausgeliefertsein in der Psychiatrie und die Frage, warum die
hiesigen Dörfer ausbluten und immer mehr Menschen isoliert sind.
„Ich suche nach Authentizität, nach Wahrheit in der Region.“
Antworten auf diese Fragen finden sich im Roman keine zumindest
nicht in Formelform. Dafür bietet Börner eine gelungene Analyse von
Menschen, ihren Charakteren, Lebenswegen und des dörflichen
Umfeldes. Ideen trage sie in der Regel lange mit sich herum, gibt
die Autorin Einblick in ihre Arbeitsweise. Aber irgendwann bahne
sich alles seinen Weg. Und das ging bei „Die Steinsammlerin“ recht
zügig. Denn Börner schrieb den Roman über den vergangenen Winter und
der nächste ist fast fertig. „Johannas Laden“ werde er heißen.
„Darin geht es um den Wert der Arbeit“, sagt sie und fügt an: „Wenn
man etwas zu sagen hat, sollte man es tun.“ Und Elke Börner hat eine
Menge zu sagen.
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DAZ-Interview mit Heiko Stets vom 20.03.2010
Von Sammlerinnen und Wurzelsuchern - Elke Börner bringt in diesem Jahr ihren ersten Roman auf den Markt
Wallbach.
„Es ist ein ländlicher Roman“, erklärt Elke Börner. Die Wallbacher
Autorin liest die ersten Zeilen aus ihrem über 200-seitigen Roman
vor. „Die Steinsammlerin“ ist nicht ihr Erstlingswerk, aber ihr
erster eigener Roman. Elke Börner, die in der Vergangenheit vor
allem mit ihren romantischen Hausbüchern und den Geschichten über
die Hausherren für Aufsehen sorgte, nimmt sich jetzt das Leben auf
dem Land vor. Sie lässt einen jungen Mann aufs Land ziehen, der in
München lebt und dort in einer Werbeagentur arbeit. Die Hauptfigur
des Romans erbt ein Haus von seiner Oma, zu der er keinen Kontakt
hatte, diesen auch nicht suchte. Die alte Frau, die immer Steine bei
sich hatte, die Wünsche erfüllen sollen und die von vielen Menschen
als schrullig eingestuft wird, krempelt nach ihrem Tod das Leben
ihres Enkels komplett um. Wie Elke Börner erklärt, will sie nicht
mit den üblichen und immer wieder bemühten Klischees spielen:
Dummer, arroganter Wessi, trifft auf mit allen Lebensweisheiten
beschlagenen Ossi. Ganz im Gegenteil. Der Münchener landet auf dem
Dorf, lernt dort alle möglichen skurrilen, manchmal auch einfältigen
Bewohner kennen. Manche auch lieben. Sucht dabei nach seinen
Wurzeln. Und findet die auch? „Zum Schluss findet er zumindest seine
große Liebe“, erzählt die Wallbacher Autorin. Allerdings wird der
Ex-Münchener nicht im geerbten Haus glücklich. Der Roman trage zwar
autobiografische Züge, so Elke Börner. Wer aber nach lebenden und
existierenden Personen sucht, wird nicht fündig. „Das ist kein Roman
über Wallbach“, so die Autorin. Vielmehr habe sie darin verschiedene
Charaktere zu Personen zusammengefügt, die ihr im Laufe ihres Lebens
so untergekommen sind. Sie verarbeitet ihren Angaben zufolge in dem
Buch die Veränderungen, die in den Dörfern im Osten nach der Wende
immer mehr zu spüren sind. Pflegten die Menschen früher ihre
Freundschaften über den Gartenzaun, reichen sie sich heute Briefe
von ihren Anwälten über die hohen Koniferenhecken: „Der Umgang mit
Menschen wird immer rauer und liebloser.“ Elke Börner ist oft in
Dörfern unterwegs, wohnt selbst in einem kleinen Ort Großstädter
nehmen schon mal das Wort Klitsche dafür in den Mund. Sie weiß also,
wovon sie spricht. Von der Hass-Liebe zum Dorf. Sie versucht in dem
Roman, das ganze Spektrum des ländlichen Lebens abzubilden. „Der
Roman ist gerade bei der Lektorin in Chemnitz. Sie musste schon
schlucken, als sie das gelesen hat“, erzählt die Wallbacherin, die
hin und wieder Zweifel plagen. Soll sie den Roman veröffentlichen?
„Mein Mann bestärkt mich darin und sagt immer wieder zu mir, dass
ich das jetzt machen soll“, erzählt die Autorin und zeigt schon mal,
wie sie sich den Umschlag ihres Buches vorstellt. Zur Buchmesse kann
sie ihren Roman nicht mehr vorstellen. „Das macht aber gar nichts.“
Geht’s eben danach auf Lesetour. Sie will aus ihrem Roman auf alle
Fälle anderen vorlesen. Sie will über das Leben auf dem Land
aufklären, vielleicht auch aufrütteln. Aber alles ohne den oft
benutzten erhobenen Zeigefinger. Noch in der ersten Jahreshälfte
soll die Steinsammlerin zu kaufen sein. „Ich habe noch viele Ideen,
die ich verarbeiten will“, sagt Elke Börner. Auch arbeite sie schon
wieder an einem weiteren Hausbuch und an Geschichten über die
Menschen, die darin leben.
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DAZ-Interview mit Heiko Stets
Häuser, die Geschichten erzählen - Wallbacherin Elke Börner bringt neues Buch über alte Gebäude und deren Besitzer heraus
Hartha. Für die einen sind es eben einfach nur Häuser, eben mit Mauern, mit einem Dach. Die Autorin Elke Börner schaut durch die Wände, sucht nach den Geschichten, die die Häuser und deren Bewohner erzählen können. Diese Geschichten schrieb die Wallbacherin auf. Jetzt brachte sie ihr neues Werk „Häuser in den Jahreszeiten“ heraus. „Ein Jahr lang bin ich dafür durch ganz Sachsen gefahren und habe wiederum interessante Häuser, Gärten, Kunst und Kunsthandwerk fotografiert. Unterstützt hat mich dabei meine Berufskollegin Kathrin Schädlich“, erzählt die Schriftstellerin. Über 50 Interviewpartner, darunter Architekten, Eigentümer, Gartenplaner und Kunsthandwerker, haben dafür ihre Türen geöffnet. Berichtet wird über Schlösser und Klöster, aber auch über kleine charmante Bauernhäuser. Oder über den Traum von Norwegen. Den erfüllte sich der Leisniger Mathias Voigtländer. Nicht etwa in Skandinavien. Vielmehr holte er sich ein Stücke Lebensart aus dem Norden Europas in seinen Garten. Dort baute er sich ein Holzhaus, wie es in Norwegen zu finden ist. Voigtländer erzählt von den Planungen und wie sich das Haus perfekt in die Natur integrierte. Dann gibt es aber auch die Geschichte von „Müllers Tanzpalast“ in Großbothen. Der gehört mittlerweile Michel Jansen. Der gebürtige Belgier verliebte sich bereits beim ersten Anblick in das Haus. Früher war das mal der Anziehungspunkt für junge Paare, die zusammen ausgehen wollte. An diese glorreichen Zeiten soll wieder angeknüpft werden. „Intention unserer Bücher ist es, beim Leser gezielt ein ressourcenorientiertes Denken anzuregen. Sachsen ist reich an schöner Architektur. Viele alte Häuser stehen leer und verfallen. Es ist eine schöne und wichtige Herausforderung, sie mit neuen Ideen wieder zu beleben. Wie das vonstatten gehen kann, zeigen die Protagonisten unseres Buches“, erzählt Elke Börner. Die Wallbacherin kann selbst Geschichten über den Hausumbau erzählen. Sie bewohnt in dem kleinen Ort zwischen Hartha und Leisnig ein selbst saniertes und detailreich ausgebautes, altes Haus. Sie kann sich also in die anderen Hausherren hineindenken. Und scheinbar hat Elke Börner ihre Thema gefunden. Denn: „Ich arbeite schon an einer dritten Ausgabe.“ Außerdem soll ein Buch über Schlösser entstehen. Während ihrer Arbeit an den Hausbüchern knüpfte sie Kontakte nach Nordrheinwestfalen und in die Niederlande. Außerdem entstehen gerade Märchen für Erwachsene.
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DAZ-Interview mit Heiko Stets vom 13. 12. 2008
Lebensträume werden wahr - Elke Börner aus Wallbach schreibt Buch über Häuser und Hausherren Wallbach.
Oft werden sie als Exoten bezeichnet oder gleich als Spinner belächelt. Wer sich ein marodes, jahrhundertealtes Haus kauft, das auch noch viele Jahre leer stand, muss mit dem Spott leben. Die Autorin Elke Börner suchte diese Exoten auf. Schaute hinter die sanierten Fassaden, schrieb ihre Erlebnisse auf und brachte ein Buch über die Menschen mit und in ihren Häusern heraus. Elke Börner lebt selbst in einem alten Haus in Wallbach. Ein Gebäude mit Geschichte, über das Elke Börner selbst viel Geschichten erzählen kann. „Als wir hier zu DDR-Zeiten eingezogen sind, war alles verbaut und verdeckt“, erinnert sich die Wallbacherin. Erst nach und nach legten sie und ihr Mann die alten Balken frei, polierten das wurmstichige Parkett wieder auf. Fanden bei den Renovierungsarbeiten auch die Liebe zu ihrem alten Haus. Und in meinem Bücherregal stehen seitdem auch viele Einrichtungsbücher“, erzählt die Wallbacherin. Darin schmökert sie gern. Lässt sich von den Fotos aus Frankreich und Italien inspirieren. „Ich dachte mir, so ein Buch musst du auch mal machen. Aber mit Häusern und Geschichten von hier.“ Beim Denken und Überlegen ist es nicht geblieben. Die Wallbacherin schritt zur Tat und über viele Schwellen. Denn nur von außen auf die Fassade zu blicken, war ihr zu wenig. Sie suchte den Kontakt zu den Menschen in den Häusern. Fand den unter anderem in Tautendorf, Leisnig, Döbeln, Frankenhain oder Elbisbach. „Man glaubt gar nicht, wie viele Leute es gibt, die die alten Häuser wieder auf Vordermann bringen“, so Elke Börner. Wer mit offenen Augen durch die Dörfer und Städte geht, findet die jungen Männer und Frauen, die die Ärmel hochkrempeln und die im hiesigen Sprachgebrauch als alte Buden bezeichneten Häuser wieder aufmöbeln. In Sachsen, Thüringen und auch in Brandenburg war sie für ihr Buch mit dem Titel „Hausgeschichten – Lebensträume, Lebensart“ unterwegs. Über ein Jahr dauerte es, bis sie ihre Geschichten recherchiert, über tausend Fotos geschossen und alles zu Papier gebracht hatte. Um das Buch, das auch ein Stück Lebenstraum von Elke Börner ist, gedruckt und gebunden vor sich liegen zu sehen, gründete die Autorin einen eigenen Verlag. Insgesamt 10 000 Euro investierte sie in ihr Buch. Nicht das erste wohlgemerkt. Und wieder eines, was sich sehen lassen kann. Die Geschichten sind mit viel Liebe zum Detail aufgebaut. Die Fotos präsentieren die alten Häuser in ihrem ganz eigenen Licht. Zudem stellt Elke Börner verschiedene alte Handwerke vor. Gibt so auch Tipps für Häuslebauer. Für angehende „Exoten“. Auf den letzten Seiten des Buches sind auch die Adressen der Hauseigentümer veröffentlicht. Wer also will, kann selbst in Kontakt mit ihnen treten. Und wer jetzt neugierig geworden ist, kann sich das Buch über den Buchhandel bestellen und unter den Weihnachtsbaum legen.